Frohe Weihnachten aus Tokio!

Dies sind sehr ungewöhnliche Weihnachten für mich. Bisher habe ich die Festtage immer mit meiner Familie verbracht. Dieses Jahr, im Auslandssemester in Japan, ist nun alles anders.

Gemeinsam im Wohnheim

Es kam schon Weihnachtsstimmung bei mir auf. Vor allem durch all die Süßigkeiten, die Alisa mir im November mitgebracht hat. Manche davon habe ich mit Freunden geteilt und das war eine schöne Erfahrung. Mit Gabriel und Eben habe ich die Spekulatius im Essbereich des Wohnheims gefuttert. Dabei haben wir Kakerlakensalat gespielt und heiße Schokolade aus unserer Vending Machine getrunken. Der Rest Spekulatius wurde dann auf dem Waseda-Hauptcampus gegessen, z.B. im Okuma-Garten. An Heiligabend und gestern am 25.12. habe ich dann den großen Dresdner Stollen mit in den Essbereich gebracht und verteilt. Im Gegenzug habe ich allerlei andere Süßigkeiten bekommen. An Heiligabend waren die Eltern einer italienischen Mitbewohnerin da und von ihnen habe ich Panettone bekommen. Das war wirklich schön.

Gestern, am ersten Weihnachtstag, sind Gabriel, Eben und ich zu unserem Lieblingsdiscounter “OK” gegangen, um für ein Weihnachtsessen einzukaufen. Die spontane Idee auf der Rolltreppe zum Discounter war, Risotto mit Garnelen zu machen. Außerdem kauften wir Chianti, Zucker, Sternanis und Zimt für unseren eigenen Glühwein. Zurück im Wohnheim bereiteten wir gemeinsam Zwiebeln und Garnelen für das Risotto vor. Die Schalen der Garnelen wurden für die Brühe verwendet. Gabriel leitete die Zubereitung und war etwas skeptisch, ob Sushi-Reis für Risotto funktionieren würde. Als das Risotto fast fertig war, setzte ich unseren Glühwein auf. Haruto, der zu meiner Forschungsgruppe gehört und 20 Minuten zu Fuß entfernt wohnt, kam und brachte Sushi mit. Mir schmeckte das Risotto ausgezeichnet. Gabriel war nicht 100%ig zufrieden. Das lässt mich neugierig werden, wie “richtig gutes Risotto” wohl erst schmecken muss! Nach dem Essen musste der Rest Stollen dran glauben und wir fingen an, Kakerlaken-Salat zu spielen. Matthieu aus dem Wohnheim kam auch noch dazu.

Wir beendeten diesen sehr spaßigen Nachmittag mit der neusten Folge “Konbini-Confessions” auf dem ziemlich alten Wohnheims-Fernseher und einem gemeinsamen Spaziergang in Richtung Zuhause von Haruto. Danach waren wir alle sehr müde.

Ausflug an Heiligabend

Mit Gabriel war ich am Heiligabend für das Mori-Arts-Museum in Roppongi verabredet. Dort werden die Kunstwerke von 22 japanischen Künstler*innen ausgestellt. Und all das auf der 53sten Etage des gewaltigen Roppongi-Hills-Mori-Tower. Mir gefiel die Ausstellung. Vor allem die Fotos von Miyako Ishiuchi und Osamu Matsuda haben mich berührt. Außerdem war die Installation von SIDE CORE & EVERYDAY HOLIDAY SQUAD einfach der Hammer. Die für mich als Ausländer faszinierenden, manchmal absurd erscheinenden Nachtbeleuchtungen von japanischen Baustellen wurden hier verwendet. Ich denke das Bild spricht für sich.

Nach der Ausstellung gingen wir auf das Dach des Towers. Auf über 200 Metern kann man um die Helikopter-Plattform herum gehen und die Aussicht über Tokio genießen. Das war der Wahnsinn. Dadurch, dass man unter freiem Himmel ist, nochmal etwas ganz anderes als z.B. das Rathaus von Tokio. Und wir hatten super Wetter und sehr klare Sicht. Brrrrr war es aber kalt dort! Wir hatten nämlich unsere Jacken in einem Schließfach beim Eingang der Ausstellung gelassen.

Abends gingen Gabriel und ich noch mit Haruto in unser Lieblings-Izakaya, um den Tag ausklingen zu lassen. Danach trafen wir noch, wie oben beschrieben, zahlreiche andere Leute aus dem Wohnheim im Essensbereich.

Und sonst so?

Was mich auch in Weihnachtsstimmung gebracht hat, war die Weihnachtsdekoration und -beleuchtung (イルミネーション) überall. Zwar ist Weihnachten hier kein offizieller Feiertag. Aber dennoch wird es hier als Ereignis zelebriert. Natürlich auch viel um das Ausgehen und letztlich den Konsum anzuregen - da sehe ich aber mal drüber hinweg.

Wenn alleine, dann habe ich auch viel Musik gehört:

betcover!! haben ein neues Album rausgebracht!! Es heißt 卵 (Ei) und das höre ich gerade. Ich würde wirklich gerne zu einem Konzert von ihnen gehen. Aber ich glaube, das schaffe ich nicht mehr im mir noch verbleibenden Monat hier.

Ansonsten habe ich das traditionelle Jahres-Ende-Set von Solomun gehört “Christmas in Bed 2022”. Vor allem die zweite Hälfte gefiel mir sehr.

Und natürlich “DHFC”.

Vielen Dank für eure Anrufe und ich freue mich auf die, die noch kommen werden. Frohe Weihnachten sowie eine angenehme und erholsame Zeit wünsche ich euch!